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PARKOUR & BETON

360° OF MOVING

Durch die Stadt wie Spiderman lautet die Devise! Wer „Casino Royal“ aus der James-Bond-Reihe gesehen hat, weiß vermutlich schon, worum es bei Parkour geht. Wer Superhelden wie Batman oder Daredevil kennt, hat in etwa eine blasse Ahnung von den Tricks und Moves, die Tom und Christoph zur Fortbewegung über allerlei Betonhindernisse einsetzen. Es gilt dabei, auf möglichst elegante und effiziente Weise Barrieren zu bewältigen, ohne diese dabei zu verändern.

 

Schwerkraft: nichts für Angsthasen

Der Begründer dieser Bewegung ist David Belle, der Parkour in den Vorstädten von Paris erfand und perfektionierte. Mittlerweile wird dieser Sport auf der ganzen Welt ausgeübt und weiterentwickelt. Moderne Beton-Architektur und futuristisch designte Wohnviertel sind die idealen Spots zur Ausübung von Parkour. Wir waren für euch unterwegs in Wien mit den beiden Traceuren Tom und Christoph, die uns an ihren bevorzugten Locations ihre irrsten Jumps und Moves zeigten.


Spot 1: Donauinsel 8:15 h

Tom (25) und Christoph (15) sind bereits da und wärmen sich auf. Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt, denn das Risiko einer gröberen Verletzung wäre ansonsten viel zu hoch. Doch dann geht’s los und wir trauen unseren Augen nicht: Christoph nimmt Anlauf, macht einen kurzen Satz auf eine Steinbank, hebt ab, überschlägt sich mit ausgestreckten Beinen in der Luft, landet und grinst.

beton-wordrap-parkour-01Das Ganze sieht aus wie aus einem Videogame. Nach einer ganzen Reihe von Sprüngen geht’s weiter zum nächsten Spot, einer 3 Meter hohen Betonwand. Die Wand ist s-förmig geschwungen, was zeigt, wie formbar und vielseitig der Baustoff Beton ist. Die Oberfläche ist spiegelglatt, nur in der Mitte befindet sich ein schmaler Streifen rauer Putz. Auf diesen Streifen kommt es an, denn er bietet ein klein wenig Halt. Jetzt ist Tom dran. Tom atmet ruhig durch, fokussiert die verputzte Stelle und sprintet wie Spiderman die Wand hoch, um kurz darauf oben zu sitzen. Schwerkraft ist anscheinend was für Angsthasen. Unser Fotograf hat sichtlich Mühe, bei der Geschwindigkeit, die die beiden an den Tag legen, mit dem Knipsen nachzukommen.

 

Spot 2: Vorgartenstraße 11:00 h

Wir stehen vor einer langen Reihe von Wohnblocks. Gegenüber befinden sich die Garagen und eine betonierte Überführung, auf deren Flachdach die zwei samt Fotografen klettern. Solche Kletterpartien gehören manchmal eben auch dazu, um begehrte Locations zu erreichen. Während ich unten warte, stellt mich der Hausmeister, der die Kletteraktion verfolgte, zur Rede. Erstaunlicherweise weiß er sofort, worum es geht. „Macht ihr da etwa Parkour?“

In der Zwischenzeit führen Tom und Christoph ungestört ihre Sprünge in luftigen Höhen durch, doch das ist nicht immer so. „Viele Menschen, die keine Ahnung haben, worum es bei Parkour geht, reagieren beunruhigt auf uns“, erklärt Tom, der sich mehr Toleranz für seinen Sport wünscht.

 

Spot 3: Johngasse, Wasserwelten 14:30 h

Der Hotspot für alle Traceure. Tom springt auf die betonierte Hohlrinne, durch die das Wasser in den Brunnen plätschert. Er geht in die Knie und jumpt aus der Hocke über 2,5 Meter auf eine schmale Wand, auf der er sofort sicher steht, stößt sich von dort wieder ab und landet mit einer eleganten Rolle wieder auf der Straße. Binnen kürzester Zeit haben wir Zuschauer. Als dann Christoph noch ein paar Sideflips drauflegt, ernten die beiden sogar Applaus. Inzwischen erklärt mir Tom die wichtigsten Begriffe und Moves bei Parkour. Präzi, Passement, Katze, Flugkatze, Speed und Zick-Zack sind nur einige davon.

Noch mehr Infos rund um Parkour gibts unter www.parkour-vienna.at

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Christopher Moser
Alter: 15
Schüler & “Parkourlehrling”

Wie lange machst du schon Parkour?
„Seit ca. 2 Jahren, durch das Internet bin ich darauf gestoßen und dank der Homepage von Tom hatte ich auch sofort Kontakt zur lokalen Community.“

Wie oft trainierst du?
„Ich trainiere sooft es zeitlich möglich ist, entweder alleine oder in kleinen Gruppen, größere Gruppen sind nicht ganz so mein Ding.“

Welche Rolle spielt Beton für dich bei der Ausübung deines Sports?
„Parkour wäre undenkbar für uns ohne Beton. Durch diese Bauweise entstehen einfach interessante Objekte für uns, die wir perfekt nutzen können, schaut euch zum Beispiel die Wasserwelten in der Johngasse an.“

Was hat sich für dich verändert, seit du Parkour betreibst?
„Man bekommt ein besseres Körpergefühl, stärkt die Koordinationsfähigkeit und das Selbstvertrauen. Oft steht man vor einem Hindernis und denkt sich, boah, das schaff ich nie, aber nach einer Weile Training geht’s auf einmal.“

Gibt’s eigentlich auch Wettkämpfe oder Ähnliches?
„Nein. Bei Parkour geht’s nicht um Wettbewerb. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er sich zutraut. Die Verletzungsgefahr wäre auch viel zu hoch.“

Interessieren sich auch Mädchen für Parkour?
„Ja, immer mehr Mädchen machen bei uns mit und sind auch sehr ehrgeizig.“

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Tom Stoklasa
Alter: 25
Systemadmin & “Parkourprofi”

Wie lange betreibst du schon Parkour und wie bist du dazu gekommen?
„Parkour betreibe ich seit ca. 7 Jahren, ich hatte im Internet ein Video von David Belle gesehen, dem Erfinder von Parkour und wusste sofort, das will ich auch machen.“

Wie muss die perfekte Umgebung sein, um Parkour ausüben zu können?
„Also grundsätzlich kann man Parkour fast überall machen, man muss eben etwas kreativ dabei sein, aber am liebsten sind uns natürlich Betonmauern und -sockel, es ist einfach geil, wie unterschiedlich mit Beton gebaut wird und welche Formen dabei entstehen. Die Oberflächen sind total verschieden und du musst jedes Hindernis anders angehen.“

Worum geht es bei Parkour eigentlich?
„Ziel bei Parkour ist es, die städtische Umgebung perfekt auszunutzen, Hindernisse möglichst effizient zu überwinden und das Ganze noch auf elegante Weise.“

Wenn man euch so beim Springen zusieht, möchte man meinen, nichts kann euch aufhalten …?
„Parkour ist ein Lernprozess und alle Moves, die wir machen, sind hart erarbeitet. Erst wenn man diese beherrscht, sieht es auch für Außenstehende spielerisch und einfach aus. Der Kopf spielt dabei eine wichtige Rolle. Man braucht Ausdauer und Disziplin, dann ist nichts mehr unmöglich.“

Wie hoch ist das Verletzungsrisiko?
„Bevor man anfängt, sollte man gut aufwärmen und die Umgebung von herumliegendem Müll und dergleichen säubern. Man sollte sich
nicht überschätzen und sich beim Training langsam vortasten.“

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Liam
Alter: 16
“Parkourlehrling”

Beruf & Freizeit – was machst du da? „Ich bin Schüler, HTL, und in meiner Freizeit mache ich Hip-Hop.“

Ein Leben ohne Beton, geht das? „Soll das ein Witz sein? Ohne Beton geht gar nichts. Keine Hochhäuser, keine moderne Architektur, die gesamte Bauwirtschaft könnte einpacken.“

Beton ist also ein fixer Bestandteil deines zukünftigen Berufs? „Klar, mit BETONung auf zukünftig, weil im Moment gehe ich ja noch zur Schule ;).“

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Asha
Alter: 25
“Parkourlehrling”

Was ist deine liebste Beschäftigung in der Freizeit? „Rollerskaten, schwimmen und Yoga.“

Ein Leben ohne Beton, für dich vorstellbar? „Hmm, eigentlich nicht, wir stehen doch gerade darauf.“

Das heißt, ohne Beton würden wir jetzt im Erdboden versinken? „Wortwörtlich, stimmt, auch meine Wohn gegend würde viel langweiliger aussehen.“

Wo bist du Zuhause? „In Wien.“

Lebst du gerne in Wien? „Wo sonst?“ (lacht)

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Florian
Alter: 15
“Parkourlehrling”

Was ist dein Lieblingshobby? „Skaten.“

Könntest du dir einen Skatepark ohne Beton vorstellen? „Eher nicht, Beton kann ja jede Form haben und wird nicht kaputt. Außerdem mögen wir alle die glatte Oberfläche von Beton – zum Skaten jedenfalls ist das ideal“.

In deiner Umgebung kann’s also gar nicht genug Beton geben…? „Sofern es sich gut zum Skaten eignet nicht. Allerdings finde ich auch grüne Flächen ganz gut.“